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Wie viel Zeit bleibt für den Ausbau der Breitbandnetze?
In ihrer Studie „The Role of of Government in the 21st-Century Infrastructure“ beschreiben booz&co die wirtschaftlichen Vorteile und Notwendigkeiten des Ausbaus von Breitbandnetzen. Wie gering die Breibandversorgung in Deutschland derzeit ist, lässt die neue Ausgabe des Breitbandatlas ahnen. Hier wurde erstmalig anstelle der 128 Kbit/s Downstream/Upstream auch die Versorgung auf Basis eines 1 Mbit/s DSL-Anschluss ermittelt. Danach ist im ländlichen Bereich nur für knapp 75 % aller Haushalte ein 1 Mbit/s Anschluss verfügbar. Bei der Vorstellung einer Untersuchung des Bitkom Verbandes zu Hichtech Themen im abgelaufenen Wahlkampf zitierte Rene Obermann eine Studie der Columbia Business School: “Die Aufrüstung der Netze auf 50 Megabit pro Sekunde bis zum Jahr 2014 schafft rund 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland.“ Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt beträgt der Studie zufolge rund 60 Milliarden Euro bis 2014. Zur Versteigerung der Frequenzen der digitalen Dividende führte er aus: „Keinen Sinn mache zum Beispiel eine pauschale Pflicht, Ortschaften mit weniger als 5.000 Einwohnern abzudecken, wenn sie bereits über andere Technologien mit Breitband versorgt sind. Das würde den Ausbau in den bedürftigen Regionen verlangsamen. Kontraproduktiv wäre auch, die Bieter zu verpflichten, parallele Infrastrukturen in den Regionen aufzubauen. Dies wäre bei der geringen Kundenzahl in vielen Gebieten nicht wirtschaftlich.“
Aber welche Alternativen gibt es um eine Breitbandversorgung auch auf dem Land zügig zu realisieren? Eigentlich nur regionale „Open Acces“ Lösungen oder eine „Schacht und Kabel AG“ wie sie Sunrise für die Schweiz vorschlägt. Mutiger ist man in Finnland. Als erstes Land hat man hier ein Gesetz erlassen, das jedem Einwohner ein Recht auf einen Zugang zu einem 1 Mbit/s Anschluss bis 2010 zusichert. Ab 2015 steht jedem Finnen das Recht auf einen 100 Mbit/s Breitbandanschluss zu. Hier ist in der Breitbandstrategie der Bundesregierung in der Tat noch viel Luft nach oben.
In einer Studie für den Berliner Senat stellt ITC Geschäftsführer Wolfgang Lohmann fest:“ Vor allem bewegte Bilder und dreidimensionale Anwendungen werden den Datenverkehr massiv erhöhen. Für die Berichterstattung der Olympischen Spiele 2012 wird erstmals im großen Maßstab der Standard Super-HDTV angewendet werden, der Übertragungsraten von mehr als 100 MBit/s benötigt.“ Nach seiner Einschätzung werden jedoch die deutschen Netze damit überfordert sein. Und dann?
Neue Geschäftsmodelle
Mit 30.000 Kunden konnte die DTAG gerade 5% der IPTV-Kunden für das Bundesliga Fußball Paket in HD Qualität gewinnen. Nicht einfacher werden die Geschäftsmodelle wenn weitere Partner an der Wertschöpfung beteiligt sind. So wird in den USA, basierend auf einer Lösung des Systemtechniklieferanten Qualcomm, für Amazons e-book Kindle über das 3G-Mobilfunknetz von Sprint der Inhalt bereitgestellt. Ein Vertragsverhältnis mit dem Netzbetreiber ist hierzu nicht notwendig. Als Systemlieferant ist Qualcomm an den Umsätzen von Amazon beteiligt. Offensichtlich nicht zufriedenstellend waren die Ergebnisse des werbefinanzierten Mobilfunkanbieters Blyk. Zum 26.08 ist Schluss mit werbefinanzierter Mobiltelefonie in UK. Der geplante Start in Deutschland, Belgien, Spanien und den Niederlanden findet erst gar nicht statt.
Finanzierung des Ausbaus von breitbandigen Anschlussnetzen
Ob und welche Möglichkeiten es zur Lösung des Investitionsdilemmas beim Ausbau von breitbandigen Anschlussnetzen geben kann war Thema der Veranstaltung „Finanzierung des Ausbaus von breitbandigen Abschlussnetzen“ der österreichischen RTR. Für einen volkswirtschaftlich notwendigen Ausbau von breitbandigen Anschlussnetzen für den es keinen marktwirtschaftlichen Business Case gibt können z.B. Privat Public Partnership Projekte eine Lösung sein. Die in den Vorträgen aufgezeigten Beispiele wie z.B. Australien, Neuseeland oder Singapur sind in ihrer Art nicht wettbewerbsneutral und damit mit dem europäischen Regulierungsrahmen nicht vereinbar. Es ist allerdings davon auszugehen, dass diese Projekte ihren volkswirtschaftlichen Beitrag leisten werden. Damit ist das Investitionsdilemma eigentlich eher ein Regulierungsdilemma?
Herausforderung Mobiles Internet
Mögliche Entwicklungspfade des mobilen Internets hin zu Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s beschreibt das Whitepaper „Mobile Roadmap Evolution: the roadmap from HSPA to LTE“. Bei einer Verzehnfachung des Datenverkehrs wird eine Steigerung des Umsatzes von 10 % erwartet. Durch die von Betreibern, Endgerätehersteller und Netzwerkanbieter gemeinsam getragene Standardisierung der Technik wird eine deutliche Kostensenkung erwartet. Wesentlich dazu beitragen soll das Evolved Packet Core (EPC), das den Übergang zu einem paketvermittelten Kernnetz beschreibt. Wenn für den Endkunden 100 Mbit/s zur Verfügung gestellt werden, muss diese Bandbreite auch von der Basisstation zum Kernnetz transportiert werden. Damit wird für das Mobile Internet wie im Breitband-Festnetz das Zugangsnetz der wesentliche Aufwandstreiber. Ein schlüssiges Geschäftsmodell des Mobilen Internet für Mobilfunknetzbetreiber findet man in dem Whitepaper allerdings auch nicht.
The Economics of Next Generation Access
Im Auftrag der ECTA, dem europäischen Verband der alternativen Telekommunikationsanbieter und Internetserviceprovider, hat das Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK eine Studie zur Wirtschaftlichkeit eines Breitbandausbaus erstellt. Anhand von Modellrechnungen werden für verschieden Szenarien die Kosten für einen VDSL bzw. FTTH Ausbau abgeleitet. Dabei ergeben sich für einen alternativen Anbieter im städtischen Raum, falls er z.B. Leerrohre oder Dark-Fibre der DTAG nicht nutzen kann, Kosten von über 400 € für einen VDSL Anschluss. Trotz steigender Bandbreiten und zusätzlicher Services sind die Preise für die Doppelflatrate für Telefonie und Internet in den meisten europäischen Ländern auf unter 30 € gefallen Dies stellt die Managementberatung Solon in ihrer Studie Western European Broadband Markets fest. Für die meisten Anbieter wird ein Kunde erst nach einer Vertragslaufzeit von mehr 24 Monaten kostendeckend. Aufgrund der erodierenden Geschäftsmodelle erwartete Solon eine Marktkonsolidierung mit maximal 3-4 Breitbandanbietern in jedem Land.
Anga: Breitbandkabel verstärkt Angriff auf DSL
Thomas Braun, Präsident des Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber erwartet zu Beginn des Jahres 2009 über 2 Millionen Kabel-Internet-Kunden. Das attraktive Tripple-Play Angebot und und das gute Preis-/Leistungsverhältnismachen das Kabel zu der entscheidenden DSL-Alternative. So bieten Kabelnetzbetreiber Paketangebote mit bis zu 32 Mbit/s bei Preisen für eine Doppelflatrate von zum Teil deutlich unter 30 Euro. Nach Angaben des ANGA ist Kabel-Internet und Telefonie bereits in 23 Mio. Haushalten verfügbar.
Telekom prophezeit Marktbereinigung bei DSL-Anbietern
Derzeit bieten über 20 Unternehmen Breitbandzugänge in Deutschland an. Aufgrund der schwachen finanziellen Ausstattung vieler Unternehmen sieht Festnetzvorstand Höttges durch die Finanzkrise einen wachsenden Konsolidierungsdruck. Anbieter den ein positiver Cash-Flow für die Refinanzierung von Fremdkapital fehlt, könnten unter Druck geraten.
Konvergenz der Plattformen
Um die für Multimedianwendungen notwendige Bandbreite dem Kunden zur Verfügung zu stellen, wird die deutsche Telekom flächendeckend VDSL ausbauen. Dazu wird in den grauen Kästen in der Straße, den Kabelverzweiger, aktive Technik die so genannten DSLAM eingebaut. Eine Investition in ein eigenes VDSL Netz wird sich für alternative Anbieter aufgrund der hohen Investitionskosten nur in Ballungsgebieten rechnen. Ausnahme könnten Anbieter sein die auch ein Mobilfunknetz betreiben. Über ein VDSL-Festnetz lassen sich auch die Basisstationen für das mobile Internet anbinden. Dies wäre dann ein erster Schritt zu einer konvergenten Mobilfunk-/Festnetzplattform. Vielleicht finden sich auch Alternativen zu den grauen Kästen. Am besten baut man (Vodafone/Arcor, O2/Telefonica) gleich gemeinsam ein VDSL Netz aus. QSC und Tele2 machen es mit ihrer Netzgesellschaft Plusnet im DSL Bereich schon heute.
VDSL Ausbau Telekom: Angriff oder Abwehr
Wie einem Artikel der Wirtschaftswoche zu entnehmen ist hat Telekom Vorstand Timotheus Höttges, der für die Festnetzsparte T-Home zuständig ist, seinen Mitbewerbern ein vertrauliches Positionspapier zu dem bis 2014 geplanten Netzumbau der Deutschen Telekom vorgelegt. Darin wird die Ablösung der traditionellen Vermittlungsstellen durch vollautomatische Internet Techniken und ein flächendeckender VDSL Ausbau beschrieben. Unterschiedliche Reaktionen gibt es hierzu von den durch die Branchenverbände VATM/BREKO vertretenen City-Carrier und DSL Anbieter. Der eigentliche Grund für ein Investitionsprogramm von solchem Ausmaß ist aber sicherlich nicht der Verlust von Kunden der Telekom an die alternativen Anbietern, Eher ist es die Notwendigkeit für die Deutsche Telekom sich flächendeckend vergleichbare technische Möglichkeiten wie die Kabelnetzbetreiber zu schaffen.
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Hellmut Seiberlich | Seiber Vision Engineering
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